Sie sind hier: Aktuelles » 

3.000 Umdrehungen, 13 Minuten lang

Bremervörde. Wenngleich der Durchbruch in der Transfusionsmedizin erst 1901 mit der Entdeckung des A-B-0-Blutgruppensystems durch den später dafür mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichneten Karl Landsteiner gelang: Bereits am 1. September vor 200 Jahren wurde in London zum ersten Mal Blut eines Menschen auf einen anderen übertragen. Vor diesem Hintergrund appellieren der DRK-Kreisverband Bremervörde und die unter seinem Dach vereinten 16 Ortsvereine an die spendefähige Bevölkerung (Mindestalter für Blutspender: 18 Jahre) in der Region, die angebotenen Termine regelmäßig wahrzunehmen.

Mit bis zu 3.000 Umdrehungen pro Minute wird das gespendete Blut zur Weiterverarbeitung zentrifugiert und in seine Komponenten aufgeteilt (Foto: DRK-Blutspendedienst NSTOB)

Denn: Die Rotkreuzgemeinschaften Bremervörde, Oerel, Basdahl, Kuhstedt, Gnarrenburg, Klenkendorfer Mühle, Selsingen, Rhade, Hepstedt/Breddorf, Tarmstedt, Wilstedt, Gyhum, Zeven, Elsdorf, Heeslingen und Sittensen sowie die Interessengemeinschaften Blutspende in Hesedorf, Bevern, Elm, Alfstedt, Ebersdorf, Farven, Heinschenwalde und Iselersheim tragen mit ihren Spendenterminen (2017 122 Termine mit 10.738 Spenden) dazu bei, dass das Rote Kreuz vor allem mit seinen bundesweit insgesamt knapp 5.000 Ortsvereinen und der Unterstützung der Bevölkerung circa 72 Prozent des Gesamtbedarfs an Blutspenden in der Bundesrepublik Deutschland stellen kann.

 

„Angesichtsdessen, dass hierzulande lediglich drei bis vier Prozent der Menschen tatsächlich spenden, ist das nicht nur in der Ferien- und Reisezeit durchaus eine Herausforderung“, weiß Stephan Jeschke (DRK-Kreisverband Bremervörde, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit/Ehrenamtskoordination). Nach Darstellung des für Niedersachsen zuständigen DRK-Blutspendedienstes sind pro Jahr bundesweit ungefähr fünf Millionen Blutspenden erforderlich, was in etwa der zusammengerechneten Einwohnerzahlen Berlins und Hamburgs entspricht.

 

Die Bremervörderin Marion Baumgarten gehört zur Minderheit derjenigen Personen im Altkreis Bremervörde, die in ihrem Leben mehr als 100 mal Blut gespendet haben - in ihrem Falle bislang 114 mal. „Immer wenn ich sehe und höre, dass ein Rettungswagen unterwegs ist, denke ich: Vielleicht kann ich mit dem halben Liter, den ich regelmäßig spende, irgendjemanden helfen, der auf mein Blut angewiesen ist“. Die Wahrscheinlichkeit ist in der Tat sehr hoch, denn Baumgarten hat die Blutgruppe 0. Und die nimmt innerhalb des Versorgungssystems eine besondere Stellung ein, denn sie kann im Notfall auf Personen beliebiger anderer Blutgruppen übertragen werden.

 

Wer - wie Marion Baumgarten - regelmäßig Blut spendet, kennt die Abläufe aus dem Effeff: Anmeldung, Ausfüllen des Fragebogens, Messung von Blutfarbstoff und Körpertemperatur, kurze Untersuchung durch den Arzt, Spende, Imbiss. Während aber die Spender anschließend ihren normalen Tagesablauf fortsetzen, geht für den DRK-Blutspendedienst die Arbeit weiter: Noch in der Nacht und am darauffolgenden Morgen wird das bei den Terminen gespendete Blut in seine Komponenten aufgeteilt und untersucht. Jede Spende erhält einen Sicherheitscode, damit sie jederzeit der entsprechenden Person zugeordnet werden kann, und wird im Labor in Springe bei Hannover auf HIV, Hepatitis B und C sowie andere Infektionsnachweise getestet. Auch der Rhesusfaktor wird bei jeder Spender neu analysiert.

 

Das gespendete Blut steht in der Regel innerhalb von 24 Stunden zur Freigabe an die Kliniken bereit. Dazu wird es 13 Minuten lang bei bis zu 3.000 Umdrehungen pro Minute zentrifugiert und in seine Einzelbestandteile „zerlegt“. Das Blutplasma, das circa 55 Prozent des Blutes ausmacht, wird zur Herstellung von Medikamenten verwendet. Der Rest des gespendeten Blutes besteht größtenteils aus roten Blutkörperchen (Erythrozyten), mit denen die Körperzellen von Patienten bei hohem Blutverlust versorgt werden müssen - beispielsweise nach Unfällen oder Operationen.

 

Die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) werden aus den Blutkonserven entfernt, weil sie für  unerwünschte Nebenwirkungen bei der Bluttransfusion verantwortlich sind. Die Blutplättchen (Thrombozyten) hingegen sind wichtig für die Blutgerinnung nach Unfällen, Operationen oder Chemotherapien. Besonderheit: Sie müssen innerhalb von vier Tagen übertragen und bis dahin bei Raumtemperatur bewegt werden, damit sie nicht gerinnen.

 

„Gerade aus diesem Grund müssen Blutspendetermine auch direkt vor oder direkt nach Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern stattfinden. Andererseits können unter Umständen lebenswichtige Operationen nicht durchgeführt werden, weil nicht ausreichend Blutplättchen vorrätig sind“, unterstreicht Stephan Jeschke. Allein in Niedersachsen, Bremen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beliefere der für diese Bundesländer zuständige regionale Blutspendedienst des DRK 330 Krankenhäuser und medizinische Versorgungseinrichtungen mit Arzneimitteln aus menschlichem Blut - rund um die Uhr, auch an Sonn- und Feiertagen.

31. August 2018 12:53 Uhr. Alter: 75 Tage